Burg Wilhelmstein - Würselen

29-6-2004
 


Gig in Germany
Wanderer zwischen den Stilen


Wirklich krachen ließ es die vierköpfige Jan Akkerman Band hingegen in ihrem knapp zweistündigen Programm nur selten. Dafür aber an Stellen, die eigentlich gar keinen Rockkontext darstellten.
Gerade das Unerwartete stellt bei dem niederländischen Wanderer zwischen den Stilen das Besondere dar. So gerieten selbst abstrakte Klanggebilde des Saitenakrobaten zum harmonischen Zwiegespräch mit seinen Musikern.
Zwar stand der Jazz alleine wegen des Improvisationsvermögens Akkermans im Vordergrund, aber für die reine Jazzlehre bewegt er sich viel zu gerne in anderen musikalischen Gefilden wie Pop, Funk, Soul und Rock. Aus dem Soul-Klassiker «In between the sheets» der Isley Brothers wird eine jazzige Ballade, während Akkermans 'Zebrah' das swingende Erbgut Django Reinhardts in sich trägt.
Kompositionen von Kollegen wie Paul Weller werden von Akkerman als erdige Bluesrocknummern interpretiert. Akkerman wirkt vergleichsweise natürlich und angenehm unprätentiös. Ausufernde Soli oder die üblichen Gitarristen-Stunts überlässt er anderen. Statt dessen konzentriert er sich auf das Ensemblespiel mit seinen hochkarätigen Musikern oder erzählt Anekdoten über den 'Streetwalker' im Amsterdamer Rotlichtviertel.
Eine geradezu heimelige Atmosphäre entsteht, als Akkermans Mikrofon ausfällt und der Niederländer während seiner Ansage zu 'Cotton Bay' mit dem Publikum in Würselen über das fußballerische Können seiner Landsleute scherzt.
Ungemein entspannt aber trotzdem spannendspielt Akkerman die Songs seines aktuellen Albums 'C.U.'. aus ihrem Elektronik-Kontext. Erst am Ende des Konzerts lässt Akkerman die Saiten für sein weltberühmtes Gitarrenriff zum Focus-Hit 'Hocus Pocus' schwingen. 

Source: Aachener Zeitung
Review: Michael Loesl
Photo: Marc Somers