Gig in Germany
Wanderer zwischen den Stilen
Wirklich krachen ließ es die vierköpfige
Jan Akkerman Band hingegen in ihrem knapp zweistündigen Programm
nur selten. Dafür aber an Stellen, die eigentlich gar keinen Rockkontext
darstellten.
Gerade das Unerwartete stellt bei dem niederländischen Wanderer
zwischen den Stilen das Besondere dar. So gerieten selbst abstrakte
Klanggebilde des Saitenakrobaten zum harmonischen Zwiegespräch
mit seinen Musikern.
Zwar stand der Jazz alleine wegen des Improvisationsvermögens Akkermans
im Vordergrund, aber für die reine Jazzlehre bewegt er sich viel
zu gerne in anderen musikalischen Gefilden wie Pop, Funk, Soul und Rock.
Aus dem Soul-Klassiker «In between the sheets» der Isley
Brothers wird eine jazzige Ballade, während Akkermans 'Zebrah'
das swingende Erbgut Django Reinhardts in sich trägt.
Kompositionen von Kollegen wie Paul Weller werden von Akkerman als erdige
Bluesrocknummern interpretiert. Akkerman wirkt vergleichsweise natürlich
und angenehm unprätentiös. Ausufernde Soli oder die üblichen
Gitarristen-Stunts überlässt er anderen. Statt dessen konzentriert
er sich auf das Ensemblespiel mit seinen hochkarätigen Musikern
oder erzählt Anekdoten über den 'Streetwalker' im Amsterdamer
Rotlichtviertel.
Eine geradezu heimelige Atmosphäre entsteht, als Akkermans Mikrofon
ausfällt und der Niederländer während seiner Ansage zu
'Cotton Bay' mit dem Publikum in Würselen über das fußballerische
Können seiner Landsleute scherzt.
Ungemein entspannt aber trotzdem spannendspielt Akkerman die Songs seines
aktuellen Albums 'C.U.'. aus ihrem Elektronik-Kontext. Erst am Ende
des Konzerts lässt Akkerman die Saiten für sein weltberühmtes
Gitarrenriff zum Focus-Hit 'Hocus Pocus' schwingen.
Source: Aachener Zeitung
Review: Michael Loesl
Photo: Marc Somers